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  • Judith Schier

Die Segel anders setzen



Wie ich finde ist das ein weiser Spruch, der auf viele Lebenslagen angewendet werden kann. Heute möchte ich mich aber speziell im Hinblick auf das menschliche Miteinander, auf Beziehungen mit dieser Aussage auseinandersetzen.


Ich denke jeder kennt das, kennt Erwartungen an andere die nicht erfüllt werden oder auch Erwartungen an einen selbst, die man nicht erfüllen kann oder möchte. Was dann vorprogrammiert ist liegt auf der Hand. Enttäuschungen, Frustration, Konflikte. Denn der Mensch hat interessanter Weise die Tendenz von seinen Erwartungshaltungen nicht abweichen zu wollen. Man meint im Recht zu sein, es sei nur fair und angemessen, wenn der andere so handelt, so ist, wie man es von ihm möchte und fordert das daher auch immer wieder ein.


Und schon befindet man sich in einem Teufelskreis. Selbst wenn man selbst oder der andere versucht den Ansprüchen, der Erwartung gerecht zu werden kann das Ganze nicht gut gehen, ist es zum Scheitern verurteilt. Denn sind wir mal ganz ehrlich, die eigene Persönlichkeit, das eigene Verhalten, das eigene Leben verändern zu „müssen“ nur um für jemand anderen gut genug zu sein, um dessen Erwartungen zu erfüllen? Ist das dann noch meine Persönlichkeit, mein Verhalten, mein Leben? Oder ist das lediglich eine Illusion von mir, ein Schauspiel, eine Farce? Fühlt sich das gut an? Fühlt sich das richtig an? Nein!


Ich denke auch das kennen wir alle. Kennen den fahlen Geschmack der Verbitterung darüber enttäuscht worden zu sein oder enttäuscht zu haben. Das fühlt sich für niemanden gut und richtig an.


Also was bleibt? Für mich bleibt, den Wind, sprich den anderen nicht ändern zu wollen, sondern meine Segel neu zu setzen. Es ist unser Leben und unsere Entscheidung wie wir mit uns selbst oder unserem Gegenüber umgehen. Akzeptanz bringt uns dabei schon sehr weit. Mich selbst zu akzeptieren und anzunehmen, mit all meinen Ecken und Kanten bedeutet dem anderen keine Angriffsfläche mehr für Erwartungshaltungen und Veränderungswünsche zu bieten. Aber das bedeutet auch den anderen so sein zu lassen, wie er ist. Mit all seinen Ecken und Kanten. Keine Erwartungshaltungen und Veränderungswünsche an ihn zu stellen.


Und wenn mir die Ecken und Kanten nicht gefallen? Meine nicht oder die des anderen? Nun ja, bei meinen eigenen Ecken und Kanten habe ich dann vielleicht genug eigene Motivation etwas daran zu verändern, an meinem Wesen, meinem Verhalten, meinem Leben etwas zu schleifen, etwas zu korrigieren. Und genau so sollte es sein. Der eigene Wunsch soll und darf der einzige Antrieb dafür sein.


Für die Ecken und Kanten des anderen darf und sollte nur er persönlich verantwortlich sein. Sieht die Person keinen Grund daran etwas zu ändern, vielleicht auch einfach deshalb, weil sie sich mit den eigenen Ecken und Kanten akzeptieren und lieben gelernt hat, dann hat man selbst immer noch die Freiheit die Segel anders zu setzen. Was das dann im Konkreten bedeutet muss man jeder selbst sehen und entscheiden.


Vielleicht bedeutet es, eine Beziehung lösen zu müssen, partnerschaftlich wie freundschaftlich oder auch beruflich. Weil man die Ecken und Kanten des anderen nicht akzeptieren kann oder möchte.


Vielleicht bedeutet es, Abstand zu nehmen, die Beziehung auf Distanz zu bringen. Weil man, aus welchen Gründen auch immer, nicht völlig aus der Beziehung aussteigen kann.


Vielleicht reicht es auch, eine klare Grenze zu ziehen oder die Grenze des anderen zu akzeptieren. Das kann schon viel Druck nehmen und ein angenehmeres Miteinander ermöglichen.


So oder so bedeutet es Verantwortung für das eigene Leben zu übernehmen. Die Qualität einer Beziehung oder die Qualität des eigenen Lebens, das eigene Wohlbefinden nicht von einem Gegenüber und seiner Bereitschaft etwas zu verändern abhängig zu machen.

Es bedeutet Verantwortung für sich selbst zu übernehmen und sich nicht mehr dem Anpassungsdruck von anderen auszusetzen.


Jeder hat das Recht so sein zu dürfen wie er ist, sein Leben nach den eigenen Wünschen und Bedürfnissen zu gestalten und zufrieden und glücklich zu sein.


Denn: Du kannst den Wind nicht ändern, aber immer, wirklich immer die Segel neu setzen!


Herzlich, Judith Schier

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